Freudenhaus Hase

 Nina

Freudenhaus Hase

 

Aktualisiert:

am  2.4.2014

 

 

 

 

 

 

Das Freudenhaus Hase präsentiert:

“Königinnen”

von Clemens Schergaut

 

Einladung

Eigenwillige, starke Frauen, verschlungene Paare im Lustkampf - in den Bildern von

Schergaut werden Fruchtbarkeit, Schmerz und Aggression in der Liebe thematisiert.

Sexualisierte Darstellungen verstärken die Inhalte und verselbstständigen sich zu

energetischen Symbolen. Relief, Skulptur und Malerei fließen dabei ineinander über und

spielen an der Grenze von Realität und Phantasie.

In "cry baby" bietet eine liebeshungrige Frau ihren Körper von allen Seiten an, den

Mund zum Schrei geöffnet. Das Bild "Sicilia" zeigt die übermächtige Medusa mit Schlangen

im Haar, die einen ungewöhnlichen Balanceakt auf einem Bein absolviert. Sie präsentiert

sich umgeben von Kraftkreisen als eine starke und zugleich einsame Frau. Dagegen

verflüssigt sich im Tarotmotiv "Königin der Kelche" der Körper zu Tropfen, während auf

ihrem Gesicht ein rätselhaft wissendes Lächeln erscheint.

Der Mann sucht in der Ausstellung die erotische Annäherung im "tanzendes Paar",

das leidenschaftliche Sexspiel "im Zelt", das Kindsein in "manchild" oder den Traum der

totalen Vereinigung im Bild "Liebende", in dem sich beide Körper nicht mehr voneinander

unterscheiden lassen.Die Karikatur "John Wayne" interpretiert der Künstler so:

 

 "John Wayne läuft in die falsche Richtung

mit seinem sinnlosen Hut

und seinem sinnlosen Halstuch.

Er hat Fährte aufgenommen,

natürlich eine sinnlose Fährte.

Er läuft eigentlich davon

vor dem Wesen

das wie ein Geist

vorsichtig wie ein Schatten

es wagt

ihn fast zu berühren.

Dieser Schatten ist weiblich

und der kleine John hat Angst."

 

Nach C.G. Jung ist die Königin ein Archetyp und zählt zu den Abkömmlingen der Anima,

des Weiblichen in der Vorstellung des Mannes; sie tritt als Jungfrau Maria oder weltzugewandte Hure auf.

In den "Königinnen" von Clemens Schergaut spiegeln dessen vielschichtige, teils

widersprüchliche Gefühle gegenüber Frauen, denen er respektvoll eine Krone aufsetzt..

 

koenigin_der_kelche-klein

Clemens Schergaut wurde 1959 in Ostberlin geboren.

 

"Mein Vater war ein Waldhorn

bis zum 15. Jahr im Kinderwagen

beim Militär Säurereste von Ventilen gekratzt

grüne Bettwäsche, Verzweiflungsschreie der Psychiater

bis zum 29. Lebensjahr im Gefängnis .... "

 

1983 ging er mit Texten und Bildern zum Thema "Leben in der Diktatur, Sex als

Freiraum" an die Öffentlichkeit. Als Bausoldat im Chemiewerk Nünchritz fingierte er 1984

einen Selbstmordversuch und wurde aus der NVA entlassen. Er gründete eine

Künstlergruppe in der Dolziger Straße, mit der er Aktionen wie die Verhüllung der Marx-

Engels-Skulptur am Alexanderplatz unternahm.

1986 stellte er einen Ausreiseantrag, der abgelehnt wurde und 1988 zu einem

Fluchtversuch von Ost-nach Westdeutschland führte. Schergaut scheiterte, wurde inhaftiert

und nach halbjährigem Gefängnisaufenthalt in den Westen "verkauft".

Hier besuchte er die Kunstschule "die Etage" in Berlin-Kreuzberg und studierte

Kunstpädagogik an der UdK in Berlin. Ab 1997 erweiterte er sein Werk mit Skulpturen und

eignete sich verschiedene künstlerische Techniken an; absolvierte Praktika in einer

Steinschleiferei in Idar-Oberstein, erlernte Abformtechniken in der Gipsformerei Berlin-

Chalottenburg und Seminare zur Feuersteinbearbeitung in Schleswig-Holstein, Schweden und Lynchburg (Virginia).

In seinen Skulpturen verwendete er Polyurethan und archaische Stoffe, unter anderem Tierteile und Feuerstein; es entstanden biomorphe Hüllen mit ambivalentem Kern.

Seit 1993 können die Werke von Clemens Schergaut in Berliner Galerien betrachtet

werden. 2002 gründete er die Produzentengalerien "artcluster" und "borderliner" (2006),

realisierte multimediale Ausstellungen, u.a. das Filmprojekt "carpaintingkiller" und agierte als

Performer.

 

 

www.schergaut-art.com

mail: gutergeschmack@web.de

fon: 0179 4885325